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Die Natur macht es uns vor: Die kleine Kräuterkunde

Kräuter – nur wenn es nötig ist - In der freien Wildbahn versorgt sich das Pferd instinktiv mit den Kräutern, die der Körper bei möglichen Problemen zur Linderung benötigt. Auf unseren „modernen” Weiden findet das Pferd aber kaum noch natürliche Heilkräuter. Diese haltungsbedingte Lücke lässt sich durch ausgesuchte Kräuterprodukte schließen. Eine permanente Fütterung mit Kräutern ist jedoch außer in chronischen Fällen nicht zu empfehlen. Es ist besser, Kräuter im Bedarfsfall nur kurz, aber intensiv zu füttern. Dabei sollten die Fütterungsempfehlungen stets beachtet werden.

Anis (Pimpinella anisum, Anisum vul-
gare) – bei Krämpfen, zur Schleim-
lösung.
Anis enthält ätherische Öle und
Flavonoide. Es wirkt appetitanregend, ver-
dauungsfördernd und hat krampflösende
Eigenschaften bei Blähungen und Krämpfen im Darmtrakt. Es sollte nicht bei Magenschleimhaut- reizungen eingesetzt werden. In der Lunge wirkt es schleimlösend und hilft, den Schleim aus der Lunge zu transportieren.
Artischocke (Cynara scolymus) – bei
Verdauungs- und Leberproblemen.

Artischocken enthalten Bitterstoffe,
Caffeoyl chinasäuren und Flavonoide und
werden bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Sie wirken antioxidativ und leberschützend.

Bärentraubenblätter (Arctostaphylos uva-ursi) – bei Harnwegsinfektionen. Bärentraubenblätter enthalten Phenolglykoside und den Inhaltsstoff Arbutin. Dieser wird in Hydrochinon umgewandelt und wirkt desinfizierend, hemmt das Wachstum von Bakterien und kann daher bei Entzündungen der abführenden Harnwege eingesetzt werden. Die Anwendung sollte immer nur kurzzeitig erfolgen, weil es sonst zu Magenproblemen kommen kann.

Baldrianwurzel (Valeriana officinalis) – für Körper und Psyche. Baldrian enthält unter anderem ätherische Öle. Der Klassiker wirkt als Beruhigungsmittel bei Unruhezuständen, Nervosität und Erregbarkeit. Er macht nicht müde, senkt die Reizbarkeit sowie Angst- und Spannungszustände. Dopingrelevanz durch Vale- rensäure.

Bibernelle (Pimpinella major) – bei Entzündungen der oberen Luftwege. Die Wurzel enthält ätherische Öle und Sesquiterpenkohlenwasserstoffe. Sie wirkt hustenreizstillend, schleimlösend und findet bei Erkrankungen der oberen Atemwege Anwendung. Traditionell wurde sie auch bei Infekten der harnableitenden Wege eingesetzt.

Birkenblätter (Betula pendula) – bei
Harnwegsinfekten und Nieren-
grieß.
Birkenblätter enthalten
Gerb-, Bitter- und Schleimstoffe
und werden zur Durchspülungstherapie
genutzt. Sie wirken harn- und schweißtreibend sowie auch blutreinigend.

Bockshornkleesamen (Trigonella foenum-graecum) Bockshornkleesamen enthalten Schleimstoffe, Glyko- side, Flavonoide und Bitterstoffe. Sie unterstützen den Verdauungstrakt, wirken sich positiv auf Atemwegs- erkrankungen aus, fördern die Milchbildung. Wichtig: nicht bei tragenden Stuten anwenden.

Bohnenhülsen (Phaseolus vulgaris) – bei Nieren- und Blasenproblemen. Bohnenhülsen enthalten wertvolle Aminosäuren, Fettsäuren und Vitamin C. Sie werden traditionell als harntreibendes Mittel bei Nierener- krankungen eingesetzt.

Brombeerblätter (Rubus fructico-
sus) – bei Stoffwechsel- und
Verdauungsstörungen.
Brombeer-
blätter enthalten Gerb- und
Schleimstoffe, Vitamin C und Pektin.
Sie wirken entzündungshemmend, schleimhautstär- kend, harntreibend und blutreinigend.
Brennnesselblätter (Urtica dioica) – der
Stoffwechsel-Generator.
Sie besitzen Fla-
vonoide, Kieselsäure, Kaffeesäureester
und Gerbstoffe wie auch Mineralien und
Vitamine. Sie wirken harntreibend, sind
antientzündlich und schmerzstillend und
können daher gut bei Harngrieß, aber auch bei
arthrotischen Beschwerden verabreicht werden. Sie sind jedoch kein Ersatz für Mineralfutter. Früh- jahrskuren mit Brennnesselblättern helfen dem Fell- wechsel und der Ausscheidung von Stoffwech- selprodukten.
Eibisch (Althaea officinalis) – bei Katarrh
und Bronchitis.
Eibisch enthält Schleim-
stoffe, ätherische Öle, Pektin und Mineral-
salze. Er wirkt schleimlösend und auswurf-
fördernd. Zudem kann er bei Problemen der
Maul- und Magenschleimhaut eingesetzt werden.
Eichenrinde (Quercus robur) –
bei Verdauungsproblemen.
Ei-
chenrinde enthält den Gerbstoff
Tannin, Triterpene und Bitterstoffe.
Sie wirkt zusammenziehend und stoppt so Durchfall. Sie ist zudem entzündungshemmend und verdau- ungsregulierend, sollte aber nicht in zu hoher Dosis eingesetzt werden, weil dann gewisse Nährstoffe nicht mehr aufgenommen werden können.
Fenchel (Foeniculum vulgare) – bei
Krämpfen und Entzündungen der oberen
Atemwege.
Fenchel enthält ätherische
Öle, Flavonoide und fette Öle. Er wirkt
krampflösend im Darmtrakt und ver-
hindert Blähungen. Er fördert den Auswurf von Schleim aus den Bronchien und fördert den Milchfluss. Fenchel sollte jedoch nicht bei Magenschleimhautreizungen eingesetzt werden.
Flohsamenschalen (Plantago ovata) – für die
Darmsanierung.
Flohsamenschalen enthalten
viele Schleimstoffe und optimieren auf eine
natürliche Weise die Darmtätigkeit. Da-
mit sind sie ideal zur Darmsanierung,
besonders bei Verdacht auf Sandeinlagerungen.
Ginkgoblätter (Ginkgo biloba) – aktivieren
die Durchblutung.
Ginkgoblätter enthalten
einen hohen Anteil an Flavonoiden und be-
sonderen Terpenen (Ginkgolide, Bilobalid,
Ginkgolsäuren). Sie wirken durchblutungs-
steigernd und verbessern somit die Sauerstoff- versorgung in den Muskeln und Hufen. Dadurch findet sich die Anwendung von Ginkgo bei Durchblutungs- störungen wie bei der Rehe wieder.
Hagebutte (Rosa canina) – die leckere
Vitamin C-Bombe aus der Natur.
Die
süß-säuerliche Frucht ist reich an As-
corbinsäure (Vitamin C). Nicht nur von
Wildtieren vor dem Winter geschätzt, ist
die Hagebutte auch für die Pferdegesundheit
eine Bereicherung. Oft auch als gesunder Leckerli-
Ersatz genommen. Frühjahrskuren mit Hagebutte helfen beim Fellwechsel, beugen Infekten vor und sorgen für ein schönes Haarkleid.

Hopfen (Humulus lupulus) – bei Unruhe und Angstzuständen. Hopfenblätter enthalten Harz- substanzen mit Bitterstoffen und ätherischen Ölen. Hopfen ist ein mildes Schlaf- und Beruhigungsmittel und wird gerne mit Baldrian und Melisse kombiniert.

Huflattich (Tussilago farfara) – bei
Erkältungen und Entzündungen.
Huflat-
tich enthält viele Schleim- und Gerb-
stoffe, Säuren, Inulin und das Spuren-
element Zink. Die Pflanze wirkt reizmildernd,
auswurffördernd und durch das Zink entzündungs-
hemmend.
Ingwer (Zingiber officinale) –
wirkt schmerzlindernd und
entzündungshemmend u. a. im
Bereich der Gelenke.
Ingwer enthält
ätherische Öle und Scharfstoffe (Gingerole, Shogaole) und wird auch erfolgreich zur Unterstützung von Magen-Darmfunktionen eingesetzt. Er ist auch ein gutes Mittel bei einem akuten Infekt, da er antibakteriell und antiviral wirkt.

Kamille (Matricaria recutita) – bei Entzündungen. Die Kamille enthält ätherische Öle, Flavonoide, Triterpene und Schleimstoffe. Sie wirkt antimikrobiell, ent- zündungshemmend, sekretions- und verdauungs- fördernd. Sie kann bei Magenschleimhautreizungen eingesetzt werden wie auch bei akuten Infekten der Lunge. Durch die antimikrobielle Wirkung ist sie hilfreich bei Inhalationen und bei Spülungen von Schleimhautentzündungen im Maulbereich.

Knoblauch (Allium sativum) – bei sehr
vielen Pferden wirkt Knoblauch
als natürlicher Insektenschutz –
leider nicht bei allen.
Nebenbei
wirkt er gegen Bakterien, Viren und
Parasiten. Knoblauch enthält Alliin und bildet Allicin und Ajoene. Er kann bei akuten Entzündungen beson- ders der oberen Luftwege eingesetzt werden.
Mariendistel (Silybum marianum) – als Le-
berschutz.
Mariendisteln enthalten Silymarin
und wirken dadurch entzündungshemmend.
Als so genannter Zell-Stabilisator schützen
sie die Leber gegen Vergiftungen und sti-
mulieren außerdem die Neubildung von Leber-
zellen. Man kann sie auch zur Unterstützung des Leberstoffwechsels nach Wurmkuren kurweise ein- setzen.

Melissenkraut (Melissa officinalis) – beruhigend, entspannend und lecker. Melissenkraut hat einen aromatisch-würzigen, leicht zitronigen Duft und ist auch unter Zitronenmelisse oder Zitronenkraut bekannt. Dank ihres ätherischen Öls wirkt sie vor allem beruhigend auf das Nervensystem und ihre Gerbstoffe und Flavonoide wirken regulierend auf den Magen-Darm-Trakt.

Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) – regulieren den Hormonhaushalt. Mönchspfeffer enthält Iridoidgly- koside und Flavonoide wie auch ätherische Öle. Er wirkt dämpfend auf den Geschlechtstrieb der Stute (Dauer- rosse) und des Hengstes, bzw. Wallachs (übermäßig hengstiges Verhalten) und kann auch beim Cushing eingesetzt werden.

Primel (Primula veris) – die Frühlingsbotin. Die Primel und deren Saponine lösen zähen und festsitzenden Schleim, der in den Nasennebenhöhlen oder auf den Bronchien sitzt. Hinzu kommt, dass die Extrakte der Primelwurzel einen krampflösenden Effekt haben. Die Primel gilt als bewährte Heilpflanze bei Erkältungen und Erkrankungen der Atemwege, sollte aber nicht zu hoch dosiert werden, weil sie zu Magenbeschwerden und Übelkeit führen kann.

Rosskastanie (Aesculus hippocasta-
num) – zur Steigerung der Durch-
blutung.
Rosskastanienblätter
enthalten Saponine, Flavonoide und
Kaffeesäurederivate. Die Blätter
wirken durchblutungsfördernd, gefäßwandverdichtend und verdauungsharmonisierend. Pferde mit Hufrehe nehmen die Blätter und Äste der Rosskastanie instinktiv sehr gerne auf.
Roter Sonnenhut (Echinacea purpu-
rea) – für das Immunsystem.
Ro-
ter Sonnenhut enthält Polysaccharide,
Kaffeesäurederivate, Alkamide, Flavonoide
und ätherisches Öl. Er wirkt so gegen Bakterien
und Viren und ist besonders gut für ältere und geschwächte Pferde geeignet. Er wirkt unterstützend bei der Abwehr von Bakterien und Viren, sollte aber nie über einen längeren Zeitraum gegeben werden.

Schachtelhalmkraut (Equisetum arvense) – harntreibende Eigenschaft. Schachtelhalmkraut hat sich bewährt zur Durchspülung der Nieren bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Flavonoide und Kieselsäure wirken entwässernd, aber verändern dabei nicht den Elektrolythaushalt.

Schafgarbenkraut (Achillea millefolium) – bei Verdauungsstörungen und Koliken. Die Blüten und das Kraut der Schafgarbe helfen besonders gegen Magenbeschwerden. Sie enthalten ätherisches Öl, Bitterstoffe und Flavonoide. Sie wirken entzündungs- hemmend, krampflösend, antibakteriell und fördern die Verdauung.

Schwarzkümmel (Nigella sativa) –
vor allem bei Atemwegsallergikern,
aber auch bei Verdauungsproblemen
und Erkältungen.
Schwarzkümmel
enthält ätherische Öle, Alkaloide und
fette Öle. Er wirkt harmonisierend auf den Verdau- ungstrakt und unterstützt das Immunsystem, beson- ders bei Atemwegserkrankungen. Schwarzkümmelöl ist auch gut für das Erscheinungsbild der Haut.
Spitzwegerich (Plantago lanceolata) –
bei Infektionen.
Spitzwegerich ent-
hält Gerb- und Schleimstoffe, Kieselsäure,
Glykoside, Spurenelemente und Vitamin C.
Seine Wirkung ist antiseptisch, entzündungs-
hemmend und krampflösend und kann zur Unter- stützung der Atemwege und entzündlichen Verände- rungen der Haut eingesetzt werden.
Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra) –
bei Infekten der Lunge.
Die Süßholz-
wurzel enthält Glycyrrhizin, Flavonoide
und Phytosterole. Sie wirkt entzün-
dungs hemmend, krampflösend und
auswurffördernd, sollte aber nicht über
einen langen Zeitraum gegeben werden, da sie dann wie Kortison wirken kann.

Teufelskralle (Harpargophytum procumbens) – bei arthrotischen Beschwerden. Teufelskralle enthält Iridoidglykoside (besonders Harpagosid), Flavonoide und geringe Mengen ätherischer Öle. Sie wirkt antientzündlich und schmerzstillend und kann daher bei degenerativen Erkrankungen wie Arthrose ein- gesetzt werden. Wichtig: nicht bei trächtigen Stuten anwenden!

Thymian (Thymus vulgaris) – bei Infek-
ten der oberen Luftwege.
Thymian enthält
ätherische Öle (Thymol, Carvacrol), Gly-
koside, Flavonoide, Gerbstoffe und Terpe-
ne. Er wirkt antimikrobiell, krampflösend und
auswurffördernd. Er hat eine desinfizierende Wirkung auf Bakterien und Viren und kann diese direkt abtöten. Er sollte jedoch nur während eines Infekts eingesetzt werden.
Walnussblätter (Juglans regia) – bei Ekze-
men.
Walnussblätter enthalten das für den
Leberstoffwechsel wichtige Inosit so-
wie Vitamin C und E. Ihre Wirkung
ist stark stoffwechselaktivierend und
blutreinigend. So können Walnussblätter bei Hauter- krankungen wie Ekzemen helfen.

Weißdornblätter (Crataegus laevigata) – zur Unterstützung des Herzens. Weißdornblätter ent- halten Procyanide, Flavonoide und Triterpene. Sie wirken regulierend aufs Herz, durchblutungsfördernd und gefäßerweiternd. Sie können daher bei nach- lassender Herzleistung verabreicht werden und sind teilweise auch bei Narkolepsie wirksam.

Funktionelle Aktivitäten bestimmter Inhaltsstoffe

  • Ätherische Öle: antimikrobiell, sekretionsfördernd, ZNS-stimulierend
  • Flavonoide: krampflösend
  • Bitterstoffe: sekretionsfördernd
  • Gerbstoffe: zusammenziehend
  • Schleimstoffe: einhüllend, reizlindernd